Bildformate im Kino
Im Kino wird noch heute, wie schon vor 100 Jahren, in einem Projektor Licht durch auf einen Filmstreifen kopierte Einzelbilder gejagt. Der Filmstreifen bewegt sich nicht kontinuierlich durch den Projektor, sondern bleibt waehrend der «Belichtung» für kurze Zeit stehen. Pro Sekunde laufen bei allen heute gebräuchlichen Verfahren 24 Bilder durch den Projektor.
Heute werden fast ausschliesslich Filme ab einem 35mm breiten Filmstreifen projiziert. Nur wenige Kinos sind hierzulande noch in der Lage, Filme im 70mm-Format vorzuführen und es werden auch kaum mehr Filme auf dem entsprechenden 65mm-Negativfilm gedreht.
Beim heute gebräuchlichen 35mm-Film beträgt das Grössenverhältnis des 4 Perforationen hohen Bildes («Frame» genannt) 1.37:1. Es gibt zwei Verfahren, um aus diesem Bild ein Breitleinwand-Bild zu erhalten. Neben dem Bild werden auf dem Film zudem noch zwei optische Tonspuren untergebracht.
Bei diesem Verfahren wird einfach ein Teil des Frames nicht projiziert, indem das Licht bei der Projektion eine Schablone (Bildmaske oder «Matte» genannt) passiert, die am oberen und unteren Rand des Bildes einen Teil der Information abschneidet. Man unterscheidet zwei Verfahren:
Hard Matte
«Open Matte» ist heute mit Abstand das gebräuchlichste Verfahren. Hier wird in der Kamera das ganze Bild belichtet und es ist quasi dem Operateur im Kino überlassen, welcher Bereich für den Zuschauer sichtbar ist. Dadurch wird auch die Überspielung auf Video oder fürs Fernsehen erleichtert, denn dabei kann einfach der im Kino abgedunkelte Bereich des Bildes mit überspielt werden.
Bei «Hard Matte» wird der nicht benutzte Bereich des Bildes bereits bei der Belichtung in der Kamera oder später im Verarbeitungsweg des Films abgedunkelt. Übliche Grössenverhältnisse sind 1.85:1 (USA, Rest der Welt) und 1.66:1 (Europa)
Beim sogenannten Scope-Verfahren wird ein extrem breites Bild in der Kamera optisch komprimiert, damit es auf einen gewöhnlichen 35mm-Filmstreifen passt. Bei der Projektion wird das Bild mittels eines sogenannten Anamorphoten wieder entzerrt. Der erste Film im anamorphotischen Cinemascope-Format von 20th Century Fox, «The Robe», kam 1952 ins Kino.
Das übliche Grössenverhältnis bei Scope-Filmen beträgt 2.35:1. Scope (auch unter Warenzeichen wie z.B. "Panavision" bekannt) hat in den letzten Jahren dank der wachsenden Akzeptanz des Video- und Fernsehpublikums für im Letterbox-Verfahren transferierte Spielfilmen besonders bei Actionfilmen wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Der 70mm-Film bietet genügend Platz für ein Bild im Grössenverhältnis 2.1:1, sowie 6 diskrete magnetische Tonspuren. Anfangs der 60er-Jahre wurde das nicht linear anamorphotische «Ultrapanavision»-Verfahren zur Projektion auf stark gewölbten Cinerama-Leinwänden mittels nur eines Projektors entwickelt. Das letzte echte Cinerama-Kino in Zürich, das solche Kopien korrekt projizieren konnte, wurde Ende der 80er-Jahre abgerissen.
Auch wenn gewisse Kinos in ihrer Webung am Rande der Lauterkeit mit Schlagworten wie 70mm und Cinerama protzen, kann das nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass seit «Far and Away» (1992) keine neue 70mm-Kopie mehr in den Verleih gelangte. Und die Tage des 3-Projektoren-Cinerama sind schon lange gezählt.
Das IMAX-Format reiht im Gegensatz zu gewöhnlichen 70mm-Filmen die Bilder nicht unter-, sonder nebeneinander. Demnach ist das Frame nicht 70mm breit, sondern 70mm hoch (ähnlich dem mittlerweile ausgestorbenen Vistavision-Format auf 35mm). Mit 24 Frames pro Sekunde läuft der Film rund 1.7 m/s schnell durch den Projektor. Besonders bei kritischen Kameraschwenks flimmert und ruckt das Bild mitunter markant, das aufgrund der Projektionsdistanz und der im Vergleich zu 35mm grösseren Dunkelzeit zwischen den einzelnen Frames. Es gibt auch ein High Definition Format mit 48 Frames pro Sekunde, bei dem die lästigen Flimmereffekte nicht mehr vorhanden sind. Wegen der horrenden Produktionskosten werden jedoch kaum Filme in IMAX HD realisiert. Auf dem Film sind keine Tonspuren oder Synchronisationsimpulse vorhanden, die Synchronisation mit dem verwendeten 6-Kanal wird durch Abzählen der Frames erreicht. Weltweit existieren rund 150 IMAX-Kinos (Stand: Oktober 1996), 16 davon in Europa, eines im Verkehrshaus Luzern. Es existieren auch einige wenige 3D-IMAX-Filme, die allerdings nur gerade in einem der 15 dafuer ausgeruesteten Kinos gezeigt werden können. Zur Zeit werden jährlich rund 10 neue IMAX-Filme mit einer Länge von gegen 50 Minuten realisiert. Weitere Infos zu IMAX gibt es hier.